Magic Moments: Unverzichtbar

– und nicht nur zu Weihnachten

 

Eine langjährige, dem Unternehmen sehr verbundene und geschätzte Mitarbeiterin kündigt in unsicheren Pandemiezeiten ihr Anstellungsverhältnis, ohne Aussicht auf einen neuen Job.

Der Weggang der Mitarbeiterin hinterlässt bei der Geschäftsführung zwiespältige Empfindungen und offenen Fragen. Zunächst meldet sich das unangenehme Gefühl in puncto Mitarbeiterbindung versagt zu haben. Gleichzeitig ist die Geschäftsführung aber erleichtert über die Kündigung der Mitarbeiterin. Seit der Umstellung auf Homeoffice forderte die Mitarbeiterin sehr viel Aufmerksamkeit ein. Nach nahezu jedem Meeting meldete sie noch einmal Besprechungsbedarf an und vor anstehenden Entscheidungen bat sie regelmäßig um Rückversicherung. War die Kündigung der Mitarbeiterin sowohl für die Mitarbeiterin als auch für sie als Geschäftsführung der richtige Schritt? Können alle Mitarbeiter*innen bei der Digitalisierung mitgenommen werden? Sind auch alle Unterstützungsmöglichkeiten ausgeschöpft worden?

Wie in vielen anderen Unternehmen wurde auch in diesem seit dem ersten Lockdown im Hauruck-Verfahren die Zusammenarbeit digitalisiert. Die notwendigen technischen Fähigkeiten wurden überraschend schnell entwickelt. Nach der anfänglichen Euphorie stellt sich jedoch erste Ernüchterung ein:

Die Sachdimension der Kommunikation wird zu Lasten der Sozialdimension bzw. der Beziehungsebene deutlich verstärkt.

Führungskräfte und Kolleg*innen verbringen einen Großteil ihrer Arbeitstage allein vor dem Computer und sehen sich nur noch virtuell. Typische Arbeitsabläufe wie Meetings, Präsentationen, Mitarbeitergespräche und Berichte werden 1:1 digitalisiert. Durch Präsentationen und kollaborative Bearbeitung von Whiteboards, Powerpoints oder anderen Formaten, wird die Sachdimension der Kommunikation verstärkt. Informelle Gespräche zwischen einzelnen Mitarbeiter*innen, etwa in der Kaffeeküche oder auf dem Gang, fallen weg. Und somit eine wichtige Quelle der informellen Problemlösung.

Das hat – wie das Beispiel zeigt – Folgen für einzelne Mitarbeiter*innen, aber auch auf die Gesamtorganisation. Insbesondere Mitarbeiter*innen, die von ihrer Persönlichkeit her beziehungsorientiert sind, leisten in der analogen Arbeitswelt wichtige Beiträge zum Teamzusammenhalt und der informellen Kommunikation. In der rein sachlich geprägten Kommunikation haben sie selten Gelegenheit ihre Talente einzusetzen. Mit dem Verlust der Sozialdimension geht für sie ein Statusverlust einher, der zu Unzufriedenheit und in letzter Konsequenz zur Kündigung führen kann.
Gleichzeitig sinkt im Virtuellen – durch die physische Entfernung – das Verantwortungsbewusstsein bei den Führungskräften.

Die Gestaltung des digitalen Arbeitsplatzes ist für Führungskräfte nicht nur ein rein technologisches, sondern auch ein kommunikatives und kulturelles Vorhaben.

Wir Menschen sehnen uns nach Menschen, nach Begegnung und nach Austausch. Informelle Kommunikation ist für den Aufbau zwischenmenschlicher Beziehungen notwendig und Voraussetzung für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit.  Im digitalen Zeitalter wird der Dialog mit den Mitarbeiter*innen (noch) bedeutsamer. Führungskräfte sind gefordert sich aus der Umklammerung des sachlichen Managements zu lösen und trotz physischer Entfernung, Begegnungen zu ermöglichen. Beziehungsfördernde Interaktionen wie Treffen in der Kaffeeküche, die sich früher zufällig ergeben haben, sind wichtig für den Teamgeist und müssen nun aktiv gesucht und digital imitiert werden.

Zum Ausgleich der Sachlichkeit bedarf es in der Virtualität menschlicher Nähe sowie Magic Moments:

Wie das private Gespräch zwischen Führungskraft und Mitarbeiter*in. Zeit für Smalltalk, private Themen und Informelles: Montagmorgens ein gemeinsames Frühstück, Freitagnachmittags das Feierabend-Bier. Online-Yoga, Wein-Tastings, Gemeinsames virtuelles Backen oder Kochen, Austausch von Musik und Playlists. Hier sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt. Im Kern geht es darum Räume zu schaffen, in denen sich Mitarbeiter*innen entfalten und ihre Potentiale einbringen können.